Ev. Stephanus-Kindergarten  Ev. Stephanus-Kindergarten Der Bewegungsraum Der Bewegungsraum unseres Kindergartens befindet sich im gegenüberliegenden Gemeindezentrum. An jedem Tag ist er Anlaufstelle für viele Kinder. Durch unterschiedlich interessante und auffordernde Aufbauten und Materialangebote bietet er jedem Kind entsprechend seines Alters und seinen individuellen Voraussetzungen neue Herausforderungen. Die Kinder klettern, drehen, tanzen, bauen, springen, halten, balancieren, knoten, drücken, schaukeln, usw. und suchen über die Bewegungsimpulse und –anreize neue Möglichkeiten, probieren aus, finden Wege und entwickeln eigene Ideen. Sie machen so Erfahrungen über Räume, Distanzen, Rhythmus, Eigenschaften von Materialien und Grenzen, die sie auch in ihren Alltag übertragen. Die regelmäßige Bewegung in der Vorschulzeit erhöht die Chance, dass ein Kind  auch in der Schulzeit und im weiteren Leben täglich Bewegung sucht und körperliche Aktivität in seinem Alltag anstrebt, was dauerhaftes Wohlbefinden und Gesundheit begünstigt. Über die Bewegung (Motorik) fördern sie ihre geistige, soziale, Gefühls- und Bewegungsentwicklung: Förderung der geistigen Entwicklung: Unterscheidungsvermögen, Einschätzung von Situationen, Begriffsbildung (Sprache), Erinnerungsvermögen, Materialkompetenz, Wahrnehmungsprozesse Förderung der sozialen Entwicklung: eigene Bedürfnisse erkennen, Durchsetzungsfähigkeit, soziale Sensibilität, Einfühlungsvermögen, Regelverständnis, Kontakt- und Kooperationsfähigkeit, Toleranz und Rücksichtnahme, Konfliktfähigkeit Förderung der Gefühlsentwicklung: Erlebnis- und Ausdrucksfähigkeit, Selbstvertrauen, Selbstwertgefühl, Selbstbewußtsein, Erkennen eigener Bedürfnisse, Durchsetzungsvermögen,  Frustrationstoleranz Förderung der Bewegungsentwicklung: Kraft, Ausdauer, Gelenkigkeit, Gleichgewicht, Schnelligkeit, Koordination Das freie Bewegungsangebot gibt jedem Kind täglich die Möglichkeit, seinen natürlichen Bewegungsdrang(der schon als Baby sehr ausgeprägt ist)  zu befriedigen und nicht auf festgelegte Zeiten zu beschränken. Das Kind kann ganzheitlich, d.h. mit allen Sinnen lernen. „Nichts ist im Verstand, was nicht vorher in den Sinnen war.“ John Locke, 1632-1704 Das Kind  verändert und entwickelt die eigenen Kompetenzen durch das gemeinsame Bewegen  mit den anderen Kindern: Im Rollenspiel kann es Neues wagen, flexibel gestalten und Perspektivenwechsel einnehmen. Beim Raufen und Ringen erfährt es die eigenen Kräfte mit den anderen Kindern zu vergleichen und dosiert einzusetzen. Im Hindernisparcours übt es Problemlöseverhalten („Wie komme ich da hinauf?“) und Gedächtnisleistungen („Beim letzten Mal hat mir doch geholfen, dass…“). Bei Ballspielen trainiert es das Zusammenspiel von Augen und Händen und erhöht seine Aufmerksamkeit („Jetzt bin ich gleich dran!“) Beim Turnen erlebt es Eigenaktivität, Selbstbestimmung und Entscheidungsfreiheit, lernt aber auch Enttäuschungen auszuhalten, wenn etwas nicht sofort gelingt. Bei der Nivearutsche oder dem Tanz aus anderen Ländern lernt es seine gegensätzlichen Körperfunktionen wahrzunehmen (Anspannung und Entspannung, Aktivierung und Ermüdung), zuzulassen oder darauf zu reagieren. Im Bewegungsraum ist immer Platz zum Toben, Raufen, Laut, wild  und lebendig sein, Raum für alle Bedürfnisse. Anspannung, Überreizung, Ängste und Aggressionen werden abgebaut. An manchen Tagen gibt es Bewegungsangebote  zu bestimmten Themen wie Piratenschiff, Dschungel, Weltraum, Bauernhof, Polizeistation,… oder kleine Spiele, (Die Maus  zu Haus, Ochs am Berge, Plumpsack,,..), Ballspiele, Gymnastik oder Tanz. Diese fremd gestellten Aufgaben stellen die Kinder vor Herausforderungen, die sie  vielleicht selbst nicht  gesucht hätten und ermutigen sie  sich an Situationen anzupassen und/oder die Situation für sich selbst passend zu machen. Wichtig für uns ist es, die Kinder in ihrem motorischen Tun genau zu beobachten und gegebenenfalls die Angebote zu verändern oder die Schwierigkeitsgrade  zu differenzieren, um die Kinder weder zu über- noch zu unterfordern und ihren Entwicklungsansprüchen gerecht zu werden. Dabei haben aber auch die Kinder die Möglichkeit, Bewegungssituationen variabel zu verändern und/ oder Materialien über ihre eigentliche Funktion hinaus zu benutzen, z. B. aus einem Reifen ein Steuerrad zu machen. Die Aufgabe von uns Erzieherinnen ist es, zu erkennen und im richtigen Moment zu reagieren, aber nur so viel wie nötig. Denn den Bewegungsraum zu entdecken soll den Kindern das Erlebnis vermitteln, selbst etwas bewirken zu können und die Konsequenzen des eigenen Handelns zu erkennen. Das gemeinsame Bewegen gibt die Möglichkeit sich mit Anderen zu vergleichen und daraus eine eigene Identität, ein Selbstkonzept und Persönlichkeit zu entwickeln: “Das kann Ich!“. „Das bin Ich!“